Sonnenschutz im Sommer: Menge, UV-Index und der Nachcreme-Irrtum
Die meisten Menschen tragen zu wenig Sonnenschutz auf: Für den ganzen Körper eines Erwachsenen sind rund 35 Milliliter nötig. Und Nachcremen erhält den Schutz, es verlängert ihn nicht.

Zwei Fehler machen fast alle. Der erste ist die Menge: Für den ganzen Körper eines Erwachsenen sind rund 35 Milliliter Sonnenschutz nötig, das entspricht etwa sechs Teelöffeln. Wer die Hälfte nimmt, hat nicht den halben Schutz, sondern deutlich weniger. Der zweite Fehler ist die Annahme, Nachcremen verlängere die Schutzzeit. Es erhält sie, mehr nicht.
UV-Index: ab 3 wird es relevant
Der UV-Index beschreibt die sonnenbrandwirksame Strahlung auf einer Skala, die in Deutschland im Sommer üblicherweise Werte zwischen 6 und 8 erreicht. Ab einem Wert von 3 empfehlen die Strahlenschutzbehörden Schutzmaßnahmen, ab 8 gilt die Mittagszeit als zu meiden. Wichtig für die Praxis: Der Index steigt mit der Höhe und bei Reflexion an Wasser oder hellem Sand, und er sinkt bei Bewölkung weit weniger, als das Wärmeempfinden vermuten lässt.
Lichtschutzfaktor richtig verstehen
Der Faktor beschreibt, um welches Vielfache sich die Eigenschutzzeit verlängert, wenn die volle Menge aufgetragen wird. Bei sehr heller Haut liegt die Eigenschutzzeit bei etwa 10 Minuten; mit Faktor 30 wären das rechnerisch 300 Minuten. Sinnvoll ist, davon höchstens 60 Prozent auszuschöpfen, also etwa drei Stunden. Faktor 50 verdoppelt diesen Wert nicht, denn der Unterschied zwischen Faktor 30 und 50 beträgt bei der Strahlungsdurchlässigkeit nur wenige Prozentpunkte.
Der wirksamste Schutz kostet nichts
Zwischen 11 und 15 Uhr ist die Strahlung am stärksten. Schatten, ein Hut mit umlaufender Krempe und langärmelige, dicht gewebte Kleidung wirken zuverlässiger als jede Creme, weil sie nicht vom Auftragsverhalten abhängen. Textilien tragen teilweise eine UPF-Angabe; ein UPF von 40 lässt rund ein Vierzigstel der Strahlung durch. Ein nasses weißes Baumwollshirt dagegen schützt kaum.
| UV-Index | Einstufung | Empfehlung |
|---|---|---|
| 1 bis 2 | niedrig | kein Schutz nötig |
| 3 bis 5 | mittel | Schatten, Kleidung, Sonnenschutzmittel |
| 6 bis 7 | hoch | Mittagszeit meiden |
| 8 bis 10 | sehr hoch | Aufenthalt im Freien deutlich einschränken |
| ab 11 | extrem | in Deutschland praktisch nicht erreicht |
Kinderhaut ist anders
Säuglinge unter einem Jahr gehören nicht in die direkte Sonne, weil ihre Hornschicht dünner ist und der Eigenschutz fehlt. Für Kinder gilt textiler Schutz vor Creme, und Sonnenbrände in der Kindheit erhöhen das Hautkrebsrisiko im späteren Leben messbar. Praktisch heißt das: Hut mit Nackenschutz, Langarmshirt am Wasser, und die Creme nur für die Flächen, die sonst frei bleiben.
Mineralisch oder chemisch
Mineralische Filter aus Zinkoxid oder Titandioxid legen sich auf die Haut und wirken sofort nach dem Auftragen. Sie hinterlassen einen weißlichen Film, sind aber für empfindliche und für Kinderhaut die verträglichere Wahl. Chemische Filter ziehen ein und brauchen etwa 20 bis 30 Minuten, bis der Schutz voll steht; wer sich am Strand erst eincremt und sofort ins Wasser geht, hat praktisch keinen. Die Angabe wasserfest bedeutet, dass nach zweimal 20 Minuten Wasserkontakt noch mindestens die Hälfte des Schutzes vorhanden ist, also deutlich weniger als der Name verspricht.
Nach der Sonne: was die Haut wirklich braucht
Nach dem Baden oder einem langen Tag im Freien ist die Haut vor allem entfettet und trocken, nicht verletzt. Sinnvoll sind leichte Lotionen mit hohem Wasseranteil, kühl aufgetragen. Bei tatsächlichem Sonnenbrand gilt: kühlen mit lauwarmem bis kühlem Wasser, nicht mit Eis, weil das die Durchblutung drosselt und die Heilung verzögert. Hausmittel wie Quark oder Joghurt sind riskant, sobald die Haut offen ist, weil sie Keime eintragen. Blasenbildung, Fieber oder Übelkeit gehören ärztlich angesehen.
Ein zweiter Punkt betrifft Medikamente. Einige Wirkstoffe erhöhen die Lichtempfindlichkeit deutlich, darunter bestimmte Antibiotika, Entwässerungsmittel und Johanniskrautpräparate. Wer neu eingestellt wird, sollte den Beipackzettel auf den Hinweis zur Photosensibilisierung prüfen, bevor der Sommerurlaub beginnt.
Vorsorge, die die Kasse zahlt
In Deutschland erkranken jährlich mehr als 200.000 Menschen neu an Hautkrebs, davon rund 23.000 am malignen Melanom, der gefährlichsten Form. Gesetzlich Versicherte haben ab 35 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf ein Hautkrebs-Screening. Zur Selbstkontrolle dient die ABCDE-Regel: Asymmetrie, Begrenzung, Colorit, Durchmesser über 5 Millimeter und Entwicklung. Verändert sich ein Mal in Form, Farbe oder Größe, gehört es angesehen, unabhängig vom Screening-Intervall.
Häufige Fragen
Wie viel Sonnenschutz brauche ich wirklich?
Rund 35 Milliliter für den ganzen Körper eines Erwachsenen, also etwa sechs Teelöffel. Für Gesicht und Hals genügen zwei Fingerlängen.
Verlängert Nachcremen die Schutzzeit?
Nein. Es erhält den Schutz, weil Creme abgerieben oder abgewaschen wird, verlängert die Gesamtdauer aber nicht.
Ab welchem UV-Index brauche ich Schutz?
Ab 3. In Deutschland liegt der Sommerwert üblicherweise zwischen 6 und 8, dann sollte die Mittagszeit gemieden werden.
Ist Faktor 50 doppelt so gut wie 30?
Nein. Der Unterschied in der durchgelassenen Strahlung beträgt nur wenige Prozentpunkte. Wichtiger ist die aufgetragene Menge.
Ab wann zahlt die Kasse das Hautkrebs-Screening?
Gesetzlich Versicherte haben ab 35 Jahren alle zwei Jahre Anspruch darauf.
Quellen
- Bundesamt für Strahlenschutz: UV-Index und Schutz
- Deutsche Krebshilfe: Hautkrebs und Vorsorge
- Deutsche Dermatologische Gesellschaft
Redaktioneller Beitrag der Lokalredaktion. Das Titelbild ist ein mit KI erzeugtes Symbolbild. Angaben zu Preisen, Fristen und Öffnungszeiten ohne Gewähr.


