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Art déco erkennen: Merkmale, Materialien und was echt ist

Art déco lässt sich an drei Dingen festmachen: geometrische Strenge, teure Furniere und die Werkstoffe der Zwischenkriegszeit. Der häufigste Irrtum ist die Verwechslung mit Nachbauten der 1980er Jahre.

Symbolbild: geometrische Objekte im Stil der Zwischenkriegszeit auf einem Studiopodest

Art déco lässt sich an drei Dingen festmachen: geometrische Strenge, teure Furniere und die Werkstoffe der Zwischenkriegszeit. Der häufigste Irrtum am Trödelmarkt ist die Verwechslung mit den Nachbauten der 1980er Jahre, die dieselbe Formensprache zitieren, aber mit anderen Materialien arbeiten.

Der Startpunkt: Paris 1925

Der Name geht auf die Pariser Weltausstellung für dekorative Kunst und moderne Industrie von 1925 zurück. Als Stilepoche wird üblicherweise der Zeitraum von etwa 1920 bis 1935 gefasst, in Deutschland überlagert vom Bauhaus, das zwischen 1919 und 1933 bestand und einen anderen Weg ging: funktional statt dekorativ, Stahlrohr statt Edelholz. Wer beides unterscheiden kann, ordnet ein Möbelstück meist auf Anhieb richtig ein.

Materialien als Datierungshilfe

Typisch sind Makassar-Ebenholz und Palisander als Furnier, oft spiegelbildlich verlegt, dazu Chrom, verchromtes Messing, Milchglas und die frühen Kunststoffe. Bakelit kam ab 1907 auf den Markt, Galalith aus Kasein bereits ab 1897. Beide lassen sich unterscheiden: Bakelit riecht bei kurzem Kontakt mit heißem Wasser schwach nach Phenol, Galalith eher nach verbranntem Horn. Moderne Nachbauten verwenden dagegen Polystyrol oder Acrylglas, die beide keinen dieser Gerüche zeigen.

Die Handschrift der Form

Vier Motive kehren wieder: die Stufenform, der Sonnenaufgang mit strahlenförmiger Teilung, das Zickzack und die gegenläufige Symmetrie. Rundungen gibt es, aber als bewusste Kreissegmente, nicht als organische Schwünge wie im Jugendstil zwanzig Jahre zuvor. Bei Möbeln ist die Kante das Erkennungszeichen: Sie ist scharf und in einem Zug gefräst, während spätere Nachbauten oft leicht gerundete Profile aus der Serienfertigung tragen.

Sechs Prüfpunkte am Objekt
MerkmalOriginal 1920 bis 1935Nachbau ab 1980
FurnierMakassar, Palisander, spiegelbildlichNachbildung, oft Folie
Metallverchromtes Messing, massivverchromter Stahl, dünn
KunststoffBakelit, GalalithPolystyrol, Acryl
Kantescharf gefrästleicht gerundet
Beschlägegeschraubt, SchlitzschraubenKreuzschlitz, geklebt
RückwandVollholz oder SperrholzHartfaserplatte

Zustand und Restaurierung

Der Wert steht und fällt mit dem Furnier. Blasen, Fehlstellen und Wasserränder lassen sich zwar beheben, doch die Arbeit ist teuer: Ein Fachbetrieb rechnet für das Nachfurnieren einer Tischplatte schnell 400 bis 900 Euro. Wer selbst schleift, zerstört in der Regel mehr, als er rettet, weil Furniere der Zeit oft nur 0,6 bis 1,5 Millimeter stark sind. Originale Oberflächen sind meist schellackpoliert; sie lassen sich mit Ballenpolitur auffrischen, ohne die Substanz anzugreifen.

Bei Leuchten ist die Elektrik der kritische Punkt. Textilummantelte Leitungen der Zwischenkriegszeit sind nach 90 Jahren spröde. Ein Austausch gegen gleichaussehende, aber neue Leitung kostet 60 bis 150 Euro und mindert den Wert nicht, während eine ungeprüfte Originalverkabelung ein Brandrisiko darstellt.

Wo man in der Region fündig wird

Drei Quellen tragen den Markt. Haushaltsauflösungen bringen unsortierte Ware zum niedrigsten Preis, verlangen aber eigenes Urteil und schnelle Entscheidungen. Regionale Auktionshäuser bieten geprüfte Zuschreibungen, dafür kommen 15 bis 30 Prozent Aufgeld auf den Zuschlag. Der Fachhandel ist am teuersten und übernimmt dafür Gewährleistung, was bei Beträgen ab etwa 1.000 Euro den Aufschlag rechtfertigt. Für alle drei gilt dieselbe Vorbereitung: Maße des vorgesehenen Platzes notieren, denn Möbel dieser Zeit sind oft tiefer und höher, als sie auf Fotos wirken.

Preisrahmen und Herkunft

Unsignierte Beistelltische und kleine Vitrinen bewegen sich häufig zwischen 200 und 800 Euro. Signierte oder dokumentierte Stücke bekannter Werkstätten liegen ein Vielfaches darüber. Bei Glas und Metall der bekannten Manufakturen entscheidet die Marke im Boden, die man vor dem Kauf fotografieren und nachschlagen sollte. Für die Ausfuhr aus Deutschland kann je nach Alter und Wert eine Genehmigung nach dem Kulturgutschutzgesetz erforderlich sein, was insbesondere beim Verkauf an Käufer außerhalb der EU zu prüfen ist.

Häufige Fragen

Wann war die Zeit des Art déco?

Etwa von 1920 bis 1935. Namensgebend war die Pariser Weltausstellung für dekorative Kunst und moderne Industrie im Jahr 1925.

Wie unterscheide ich Art déco vom Bauhaus?

Art déco ist dekorativ und arbeitet mit Edelhölzern, das Bauhaus zwischen 1919 und 1933 funktional und mit Stahlrohr.

Wie erkenne ich Bakelit?

Bei kurzem Kontakt mit heißem Wasser riecht es schwach nach Phenol. Galalith riecht eher nach verbranntem Horn, moderne Kunststoffe nach nichts.

Darf ich ein altes Furnier abschleifen?

Besser nicht. Furniere der Zeit sind oft nur 0,6 bis 1,5 Millimeter stark und beim Schleifen schnell durch.

Was kostet die Restaurierung einer Tischplatte?

Für das Nachfurnieren rechnen Fachbetriebe mit 400 bis 900 Euro. Neue Leitungen für eine Leuchte kosten 60 bis 150 Euro.

Quellen

Redaktioneller Beitrag der Lokalredaktion. Das Titelbild ist ein mit KI erzeugtes Symbolbild. Angaben zu Preisen, Fristen und Öffnungszeiten ohne Gewähr.