Klimawandel in Paderborn: Was sich messbar verändert hat
In Nordrhein-Westfalen ist die Jahresmitteltemperatur seit 1881 um rund 1,7 Grad gestiegen. In Paderborn zeigt sich das an drei Stellen: trockenere Sommer, kränkere Wälder und häufigerer Starkregen.

In Nordrhein-Westfalen ist die Jahresmitteltemperatur seit Beginn der flächendeckenden Messungen 1881 um rund 1,7 Grad gestiegen. Das ist kein Modell, sondern eine Messreihe. In Paderborn zeigt sich diese Veränderung an drei Stellen sehr konkret: an trockeneren Sommern, an kränkeren Wäldern und an Regenereignissen, für die die Kanäle nicht gebaut wurden.
Drei Dürrejahre hintereinander
2018, 2019 und 2020 fiel in Ostwestfalen deutlich zu wenig Regen, und zwar über die gesamte Vegetationsperiode. Der Boden trocknete bis in tiefere Schichten aus, was Bäume anders trifft als kurze Hitzewellen: Flachwurzler wie die Fichte kommen an das Restwasser nicht heran. Geschwächte Bestände wurden anschließend großflächig vom Borkenkäfer befallen. In den Wäldern der Egge sind seitdem ganze Hänge geräumt und neu bepflanzt worden.
Der Waldumbau, der daraus folgt, ist eine Entscheidung über 80 bis 120 Jahre. Gepflanzt werden heute Buche, Eiche, Douglasie und Weißtanne statt reiner Fichtenbestände. Der Ertrag verschiebt sich damit um Jahrzehnte, die Stabilität gegen Trockenheit steigt.
Starkregen trifft auf ein Netz von gestern
Kanalnetze werden üblicherweise auf Regenereignisse ausgelegt, wie sie statistisch alle 2 bis 5 Jahre auftreten. Ein Starkregen mit 40 Millimetern in einer Stunde überschreitet diese Auslegung um ein Vielfaches. Das Wasser sucht sich dann den Weg über die Oberfläche, und der folgt dem Gefälle, nicht dem Kanalplan. Genau deshalb stehen bei solchen Ereignissen Keller unter Wasser, die weit von jedem Bach entfernt liegen.
Am 20. Mai 2022 zog ein Tornado über Paderborn. Dächer wurden abgedeckt, Bäume entwurzelt, mehrere Dutzend Menschen verletzt. Ein Einzelereignis beweist keinen Trend, aber es hat in der Stadt die Diskussion über Sturmsicherheit von Dächern, Bäumen und Freiflächen dauerhaft verändert.
Hitze in der Innenstadt
Versiegelte Flächen speichern Wärme und geben sie nachts ab. Zwischen dicht bebauter Innenstadt und offener Feldflur der Hochfläche sind in klaren Sommernächten Unterschiede von 4 bis 6 Grad möglich. Für gesunde Erwachsene ist das lästig, für alte Menschen und Kleinkinder ist es ein Gesundheitsrisiko, weil die nächtliche Erholungsphase ausbleibt.
| Veränderung | Beleg | Folge vor Ort | Gegenmaßnahme |
|---|---|---|---|
| Erwärmung | rund 1,7 K in NRW seit 1881 | mehr Hitzetage | Verschattung, Stadtbäume |
| Trockenheit | Dürrejahre 2018 bis 2020 | Waldschäden, Ernteausfälle | Waldumbau, Bewässerung |
| Starkregen | Auslegung der Kanäle 2 bis 5 Jahre | Kellerüberflutung | Rückhalt, Entsiegelung |
| Sturm | Tornado am 20. Mai 2022 | Dach- und Baumschäden | Sturmsicherung, Baumkontrolle |
Was auf dem eigenen Grundstück wirkt
Entsiegelung ist die wirksamste Einzelmaßnahme. Jeder Quadratmeter Schotter oder Pflaster, der wieder Wasser aufnimmt, entlastet den Kanal und kühlt durch Verdunstung. Eine Zisterne mit 3.000 bis 5.000 Litern deckt in einem normalen Sommer den Gießbedarf eines mittleren Gartens und puffert zugleich Regenspitzen. Eine Dachbegrünung hält 40 bis 60 Prozent des Jahresniederschlags zurück.
Beim Schutz gegen Rückstau gilt eine schlichte Regel: Alle Abläufe unterhalb der Rückstauebene, also unterhalb der Straßenoberkante, brauchen eine Rückstausicherung. Sie kostet einen niedrigen dreistelligen Betrag und verhindert den Schaden, für den Versicherungen zunehmend Zusatzbausteine verlangen.
Was die Stadt und das Land ändern
Die Stadtplanung arbeitet mit dem Leitbild der wassersensiblen Stadt: Mulden, Rigolen und begrünte Rückhalteflächen sollen Regen dort halten, wo er fällt, statt ihn möglichst schnell abzuleiten. Beim Baumbestand verschieben sich die Arten, weil Fichte und teils auch Bergahorn mit den neuen Sommern nicht zurechtkommen. Bei der Trinkwasserversorgung ist die entscheidende Größe die Grundwasserneubildung, die in trockenen Jahren deutlich zurückgeht: Das Wasser der Pader stammt aus dem Kalkstein der Hochfläche, und was dort nicht versickert, kommt hier nicht an.
Häufige Fragen
Wie stark ist es in Nordrhein-Westfalen wärmer geworden?
Die Jahresmitteltemperatur ist seit 1881 um rund 1,7 Grad gestiegen. Das ist eine Messreihe, keine Projektion.
Warum sterben die Fichten in der Egge?
Drei Dürrejahre von 2018 bis 2020 haben die flach wurzelnden Bäume geschwächt. Anschließend hat der Borkenkäfer die geschwächten Bestände großflächig befallen.
Warum läuft der Keller voll, obwohl kein Bach in der Nähe ist?
Weil Kanäle nur auf Regen ausgelegt sind, wie er alle 2 bis 5 Jahre vorkommt. Bei Starkregen fließt das Wasser oberirdisch dem Gefälle nach.
Was hilft auf dem eigenen Grundstück am meisten?
Entsiegelung, eine Zisterne mit 3.000 bis 5.000 Litern und eine Rückstausicherung für alle Abläufe unterhalb der Straßenoberkante.
Gab es in Paderborn wirklich einen Tornado?
Ja, am 20. Mai 2022. Er deckte Dächer ab, entwurzelte Bäume und verletzte mehrere Dutzend Menschen.
Quellen
- Deutscher Wetterdienst: Klimadaten und Warnungen
- LANUK NRW: Klimafolgen und Anpassung
- Wald und Holz NRW: Waldzustand und Waldumbau
Redaktioneller Beitrag der Lokalredaktion. Das Titelbild ist ein mit KI erzeugtes Symbolbild. Angaben zu Preisen, Fristen und Öffnungszeiten ohne Gewähr.


